“Ich blogge, also bin ich”
In der aktuellen Ausgabe der Zeit (Nr. 52, 19.12.2007) findet sich ein interessantes Interview mit Geert Lovink unter dem Titel “Ich blogge, also bin ich”. Ich hatte Hr. Lovink 2007 bei einer Tagung namens “Ich, Wir und die Anderen” im ZKM in Karlsruhe reden hören. Die Tagung war ein sehr gute Veranstaltung, sehr inspirierend. In der Zeit spricht Hr. Lovink über Blogger, verschiedene Blogtypen wo Blogs erfolgreich sind und wo nicht, und warum die Vorhersage des nächsten Trends so schwierig ist. Lesenswert. Der Artikel ist auch online verfügbar.
In der gleichen Ausgabe der Zeit findet sich auf der vorherigen Seite ein weiterer Artikel der Kategorie “Das Internet vergisst nichts”, Titel: “Deine Daten währen ewig”, Autor: Karsten Polke-Marjewski. Der Autor hat richtiggehend Angst vor dem allmächtigen riesen Google, der alles für immer speichern möchte – es gibt schlicht kein Verfallsdatum für Daten. Im kürzlich erschienenen FAZ Artikel “Und wann steigen Sie aus” ging es um eine ähnliche Angst.
Die in beiden Artikeln geäußerten Bedenken sind ernst zu nehmen. Aber Angst muss man davor nicht haben. Auch wenn beim Finden der Daten der “Kontext zerstört” wird, in dem die Daten entstanden sind, glaube ich dennoch, dass man am Ende in der Regel ein konsistentes Bild hinterlässt – mit Ausreißern nach links und nach rechts, oben und unten. Wer in die Öffentlichkeit geht, muss die Randbedingungen und die Konsequenzen kennen: man wird sich der erzeugten Informationen erinnern, auch wenn man selbst nicht mehr daran erinnert werden möchte.
Wir sollten diese Aussichten nutzen und uns nicht dagegen wehren – ich wüsste auch nicht wie außer mit Verweigerung; mit Verweigerung der Nutzung von Web 2.0, Blogs und Google; mit Verweigerung der Freigabe jeglicher persönlicher Informationen.

am 4. Januar 2008 um 15:10 Uhr.
Zum Thema “Kontext zerstören” und eigene Identität im Netz ist auch die Seite http://www.myon-id.de/ interessant, Untertitel der Seite “Dein guter Rug im Internet”