Kirchhoff, “Schundroman”

Ich habe einen Schundroman (Partnerlink) gelesen, der keiner ist. Bodo Kirchhoff (Bodo Kirchhoff bei Wikipedia) hat ein urkomisches Buch geschrieben, das aber polarisieren dürfte: entweder man mag es oder man findet es schrecklich.

Es geht um einen Auftragskiller namens Willem Hold während der Buchmesse nach Frankfurt kommt, um dort einen Mann zu töten. Im Flieger macht sich eine Frau an ihn ran, der er einen Gefallen tut und einen Verfolger am Flughafen ablenkt. Leider stirbt bei dem Ablenkungsmanöver ein Mann, ein sehr berühmter deutscher Kritiker.
Die Geschichte geht wild weiter: Hold tötet im Restaurant den falschen und muss verletzt (Loch in der Wange durch das man die Zähne sieht) flüchten. Erkommt dabei bei Lou, der Dame aus dem Flugzeug unter, die sich aber als beauftragt durch seinen Auftraggaber entpuppt. Er verliebt sich in sie, sie wird aber getötet. Parallel dazu untersucht der Verfolger der Dame vom Flughafen, ein Privatdetektiv, mit seiner Chefin den Mord vom Flughafen aufzuklären und Lou zu finden, weil sie angeblich jemanden umgebracht hat, von dem sie einen Picasso geerbt hat. Die Story nimmer immer mehr Fahrt auf: es tauchen noch diverse Autoren, eine Bestsellerautorin (Sex-Fibel) und diverse andere Gestalten auf. Das riesige Geschichtengewirr endet in einem fulminaten Showdown am Gardasee. Ich verrate nicht wie das Buch ausgeht, …

Nach dem Buch “Wo das Meer beginnt” war ich von Kirchhoffs Sprache begeistert und habe mit deshalb den Bestseller Schundroman (Partnerlink) gekauft. Ich habe es keine Sekunde bereut. Trotz der vielen Namen und Handlungen verliert Bodo Kirchhoff nie den Faden und damit auch nicht der Leser. Wie in einem guten Actionfilm die schnellen Schnitte helfen die kurzen Kapitel dabei, das Tempo im Buch hochzuhalten. Der Plot fesselt und man ist begierig auf die nächste unvorhersehbare Wende in dieser Persiflage.
Die extrem überzeichneten Charaktere (Killer, Bestsellerautorin, Privatdetektiv, Studentin, …) tragen zur Komik des durchaus auch unappetitlichen Buches (Morde) entscheidend bei. So ist die Kaltschnäuzigkeit des Killers derart überzogen, dass man es einfach komisch finden muss. Die Namensvergabe (Vanilla Campus für die Sex-Fibel Autorin) ist brillant und die vielen Anspielungen zu echten Personen laden regelmäßig zum Schmunzeln ein. Man glaubt immer mal wieder einen Prominenten hinter einem der Namen zu erkennen.

Für Freunde abgefahrener Geschichten ist dieses Buch ein Muss. Man liest in Rezensionen im Netz immer mal wieder, dass dieses Buch “Kult” werden könnte – dem kann ich nur zustimmen.
Ich bin sicher, dass dies nicht mein letztes Buch von Bodo Kirchhoff war. Welches das nächste wird? Ich schwanke zwischen Infanta und Parlando

ISBN: 978-359616075-4 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de

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