Brinkbäumer, “Unter dem Sand”

Unter dem Sand (Partnerlink) von Klaus Brinkbäumer (Klaus Brinkbäumer bei Wikipedia) ist ein bewegendes Buch über das Schicksal eines Jungen im Irak. Der junge Haydar wird Zeuge wie sein Bruder von Saddam Husseins Polizei abgeholt wird. Die Mutter hat Angst und begleitet ihn. Als sie nicht zurückkommen, macht sich der Vater mit Haydar auf die Suche bei der Polizei. Eines Tages verschwindet auch der Vater und ab da muss Haydar alleine als Familienoberhaupt die Großfamilie durchbringen. Die Geschichte wird erzählt von einem Reporter.
Das Buch gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil wird geschildert, wie der Reporter Haydar kennenlernt (bei Ausgrabungen eines Massengrabes). Im zweiten Teil erzählt Haydar seine Geschichte und im dritten Teil kehrt der Reporter nach vier Jahren zu Haydar zurück, der am Ende der Geschichte allerdings auch ermordet wird.
Das Buch hilft verstehen, warum eine Befriedung des Irak und eine Ordnung nicht so einfach herzustellen sind, wie man das als Außenstehender vielleicht oft denkt. Die Infos unserer Medien vermitteln stets ein Bild eines chaotischen Landes – und dieses Buch hilft zu verstehen, woher dieses Chaos rührt: verschiedene ethnische Gruppen, Opfer werden zu Tätern, Opportunisten machen der Umsetzung eines jeden Ideals einen Strich durch die Rechnung. Das Leid der Menschen vor Ort hört niemand, sie haben keine Fürsprecher:

“Siehst du, sie vermessen den Weltraum und die Gewässer, während wir weiter nach der effektivsten Form suchen, unsere Schreie hörbar zu machen”. (S. 95)

Die Menschen können praktisch nichts gegen ihr Leid tun und sind ihm hilflos ausgeliefert oder wie Haydars Vater es einmal ausdrückt:

“Wenn man nichts tun muss, das ist Glück – wenn man nichts tun kann, das ist das Ende” (S. 96)

Nach solchen Sätzen versteht man wie Klaus Brinkbäumer mit seinem Roman Der Traum vom Leben. Eine afrikanische Odyssee (Partnerlink) bekannt werden konnte. Er hat mit Unter dem Sand (Partnerlink), das auf einer wahren Geschichte basiert, kein leicht verdauliches Buch geschrieben, sondern eines, das zum Nachdenken anregt (wie der zugehörige Artikel im Spiegel 2003). Man kann hoffen, dass er mit dem Buch etwas bewegt und dass nicht “alles, was getan werden müsste, … wegen der Gefahren” unterbleibt (S. 239). Auch die kritischen Tönen am Wiederaufbau durch die Amerikaner lassen aufhorchen.

ISBN: 978-359617502-4 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de

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