Zeh, “Spieltrieb” und “Adler und Engel”

Es ist schon einige Zeit her, dass ich Spieltrieb (Partnerlink) von Juli Zeh gelesen habe. Die Handlung ist schnell erklärt: Die Schüler Ada und Alev erpressen ihren Sportlehrer Smutek mit einem Video. Dieses Video haben Ada und Alev gezielt gedreht: Ada hat Smutek gezielt in der Sporthalle verführt und Alev hat sie heimlich gefilmt. Die beiden Schüler gehen kaltblütig vor, die moralischen Aspekte ihres Tuns sind ihnen gleichgültig. Die Geschichte erscheint erschreckend glaubwürdig und man fragt sich mehr als einmal, ob eine Jugend in der Lage ist, derart befremdende Menschen wie Ada und Alev hervorzubringen. Das Buch zieht den Leser in den Bann – von der ersten bis zur letzten Seite.

ISBN “Spieltrieb”: 978-344273369-9(Partnerlink), © Buchcover: amazon.de

Adler und Engel (Partnerlink) ist ebenfalls von Juli Zeh (Wikipedia), kann aber mit Spieltrieb (Partnerlink) nicht mithalten. Protagonist in “Adler und Engel” ist Max, der Jessie liebt, die Tochter eines Drogendealers. Eines Tages ist Jessie tot und Max’ Leben macht eine Schubumkehr: vom erfolgreichen Juristen zum Wrack, das den Drogen verfällt und dem Ende entgegendämmert. Clara, eine Moderatorin, versucht zusammen mit Max dessen Leben und die Verwicklungen aus Max Vergangenheit bzgl. Jessie aufzurollen. Der dämmernde Zustand von Max und das Chaos seines Lebens finden einen Widerklang in der Sprache des Buches. Es ist spannend und man möchte mehr von den Verwicklungen erfahren – alles in allem kommt es aber an die Wucht von Spieltrieb (Partnerlink) nicht heran.

ISBN “Adler und Engel”: 978-344272926-5(Partnerlink), © Buchcover: amazon.de

Juli Zeh hatte mit Spieltrieb (Partnerlink) ihren großen Durchbruch. Sie ist auch Juristin und zur Zeit strengt sie eine Verfassungsbeschwerde gegen den biomerischen Pass an. Sowohl die FAZ (”Schilf und Schily”) als auch die Zeit (”Finger weg, Otto”) berichten in den aktuellen Ausgaben von dieser Klage. Zeh hat bereits in der Vergangenheit mit juristischen Artikeln auf sich aufmerksam gemacht.
Vielleicht ist Juli Zeh ja eine der Autorinnen, die dafür sorgen, dass die Literatur nicht am Tellerrand scheitert. Vielleicht schreibt sie einst den Roman, der aus dem Leben der Juristin berichtet – als Insiderin, nicht als literarische Spezielrecherche, sondern aus eigener Erfahrung. Wenn er so spannend und nachdenklich wird wie Spieltrieb (Partnerlink) können wir uns darauf freuen.

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