Brockhaus nur noch online – eine neue Ära

In diesen Tagen sorgte die Meldung für Furore, dass der Brockhaus in Zukunft nur noch online verfügbar sein soll (s. dazu auch golem.de), d.h. die aktuelle 21. Auflage ist wahrscheinlich die letzte gedruckte “Version”! In der entsprechenden Verlagsmitteilung heißt es dazu:

Der Traditionsverlag reagiert damit auch auf die Geschäftsentwicklung bei den gedruckten klassischen Lexika. 2007 wurden die Umsatzziele insbesondere im Segment der allgemeinen Lexika verfehlt. Die Marktanalysen zeigen eindeutig, dass die Kunden künftig Sachinformationen in erster Linie online nachschlagen werden.

Die Erkenntnis ist keine Revolution, die Konsequenz schon: keine 30 Bände in Leder mehr – mit Goldprägung. Kein haptisches Erlebnis mehr. Kein Hochgefühl mehr, diese 2 kg schweren Bände aus dem Regal zu ziehen (ich besitze Auflage 18). Und dann dieses Gefühl beim Lesen, einen Schatz zu heben, in eine andere Welt abzutauchen. Wikipedia schneidet in Punkto Masse und laut einiger Untersuchungen (wie z.B. der des Stern) auch in Punkto Qualität besser ab. Ich möchte darauf jetzt gar nicht eingehen. Ich finde es schlicht schade, dass dieses einzigartige Erlebnis eines gut gebundenen Buches verloren gehen soll.

Das neue Portal wird wohl unter http://www.brockhaus-enzyklopaedie.de/ erreichbar sein. Bisher kostet der Brockhaus viel Geld, in Zukunft soll dies durch Werbung finanziert werden:

Finanziert wird das neue Wissensportal des Verlags durch Werbung.

Das halte ich für kritisch, da muss man schon Masse erzeugen, um Einnahmen durch Werbung zu generieren. Der Brockhaus muss Inhalte und Formen bieten, die Wikipedia nicht bieten will oder kann – etwa Verlinkung und kostenloses (?) Anbieten professioneller Inhalte – sei es in Form von wissenschaftlichen Artikeln oder Videos oder Ton etc. Der Brockhaus muss seine professionelle Stärke ausspielen und das Geld für Partnerschaten mit Anbietern anderer professioneller Inhalte nutzen. Eine reine Übertragung der Inhalte in ein kostenloses Portal, das durch “übliche” Werbung finanziert wird, wird fehlschlagen. Wikipedia lebt vom Web 2.0 Gedanken, von der Teilnahme und den Beiträgen der Benutzer. Das will der Brockhaus sicher nicht bieten – er wird sich also neben der Qualität weitere Alleinstellungsmerkmale suchen müssen.

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