Picoult, “Beim Leben meiner Schwester”

“Als ich klein war, fragte ich mich nicht, wie Babys gemacht wurden, sondern warum”
Das ist der erste Satz der kleinen Anna in Beim Leben meiner Schwester (Partnerlink) von Jodi Picoult. Es ist ein beeindruckendes und nachdenklich stimmendes Buch.
Zum Inhalt: Familie Fitzgerald lebt seit Jahren mit der Erkrankung der kleinen Kate. Sie kann allerdings ohne Knochenmarkspenden ihrer Schwester Anna nicht überleben. Diesen Zustand treibt die Familie seit mehr als 10 Jahren durch Höhen und Tiefen, die in verschiedenen Retrospektiven im Buch beleuchtet werden. Doch dann geschieht das Unfassbare: Anna verweigert mit 13 Jahren die nächste lebensrettende Spende für Kate. Sie nimmt sich sogar einen Anwalt, um ihr Recht durchzusetzen. Ihre schwankende Selbstsicherheit lässt Zweifel an ihren Motiven aufkommen, aber sie erhält ihre Meinung aufrecht. Am Ende nimmt das Buch eine dramatische Wende, die ich nicht erzählen möchte.
Das Buch beschreibt die Zerreißprobe, die die Familie durchstehen muss – all die ethischen Fragen nach dem Richtigen und Falschen, nach dem Guten und Bösen. Mehr als einmal stellt man sich die Frage, “was wäre, wenn ich in diesem Plot Mitspieler wäre”? Die mitreißenden Gefühlsschilderungen und Gedankengänge lassen keinen moralischen Sieger ausmachen – das Buch regt an und reckt keinen Finger. Es bewegt; es stellt einen selbst vor den Spiegel und fragt: “und wie stehst du dazu”? Im Englischen würde man das Buch “Pageturner” nennen – man hat keine Ruhe bis man auf der letzten Seite angelangt ist.
ISBN: 978-349224796-2 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de

am 2. Oktober 2009 um 22:20 Uhr.
Hi!
Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen. Ich habe selbst gerade das Buch beendet und muss dir, was deinen letzten Absatz betrifft, vollkommen recht geben. Man kann gar nicht anders, als zu überlegen, was würde ich machen. Aber ich bin zu keiner Antwort gekommen…
LG
Marimirl
am 9. Oktober 2009 um 16:51 Uhr.
@Marimirl: muss man auch – glaube ich – nicht. Alleine schon das Nachdenken darüber bereichert die eigene Weltsicht, oder?