Monzó, “Barcelona. Und andere Erzählungen”
Barcelona. Und andere Erzählungen (Partnerlink) ist mein erstes Buch von Quim Monzé – gekauft spontan in Köln. Die 150 Seiten entalten eine Sammlung von Kurzgeschichten, die zwischen makaber, brutal, wild und tiefgründig schwanken. Eines haben alle Geschichten gemeinsam: sie haben einen zutiefst surrealen, absurden Charakter – fast ist man verstört, wenn man eine gelesen hat. Sie wirken wie Bilder eines Malers, der mit einem Thema treffen möchte. Neo Rauchs Bilder und Quim Monzós Kurgeschichten haben viel gemeinsam: sie scheinen eine Geschichte zu erzählen, deren Inhalt zwar beschreibbar, aber nicht wirklich fassbar ist. Ständig glaubt man, die Essenz der Geschichte gefunden zu haben, aber dann verflüchtigt sich das Gedachte unmittelbar vor dem Aussprechen.
Ein paar kurze Inhaltsangaben: Eine Familie ignoriert den Tod eines Sohnes und sein Bruder schleppt ihn tod mit in die Schule. Ein Mann wundert sich über eine immer leerer werdende Schnapsflasche, kann den heimlichen Trinker nicht ermitteln und vergiftet sich am Ende selbst damit. Ein Mann überfährt eine Frau, die aber scheinbar ohne Blessuren weiterläuft, während der Fahrer in einem Gewaltexzess der Umstehenden übel zugerichtet wird bis er am Ende selbst einen anderen mit verprügelt. Ein Prinz glaubt an die Geschichte mit der Kröte und macht sie – nachdem er sie jahrelang “gesucht” hat – durch einen Kuss zur schönen Prinzessin; dann wissen die beiden aber nicht, was sie miteinander reden sollen: der eine ist am Ende seiner Suche, der andere erlöst.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir noch einmal ein Buch von Monzó kaufen werde. Im Gegensatz zu Neo Rauchs Bildern sind Munzós Geschichten geradezu brutal direkt – die überzeichnete Direktheit verstört mehr als die nicht fassbare Interpretation.
ISBN: 978-383330483-5 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de
