Birkenbihl, “Der Tanz der Phantome”

Im Feuilleton der heutigen FAZ-Ausgabe fesselt gleich die Startseite mit einem Artikel aus der aktuellen FAZ-Reihe zum Thema Gehirnforschung und Lernen. Der Tanz der Phantome von Vera F. Birkenbihl. Der Artikel ist online nur für Abonnenten kostenlos lesbar.
Der Text erklärt interessante Forschungsergebnisse zum Thema “Lernen durch Zuschauen”.

Kennen Sie den Typ Rebell, der als junger Aufsässiger seit seiner Schulzeit gegen diktatorische Lehrer und Chefs kämpft und eines Tages genau die Art von selbstherrlichem Chef wird, die er immer abgelehnt hatte?

Birkenbihl erläutert, wie wir in unserem Leben unbewusst durch Zuschauen lernen. Das Gelernte wird unter Umständen nicht sofort aktiv, sondern erst, wenn wir in eine Situation kommen, die derjenigen gleicht, die wir durch “Zuschauen” “gelernt” haben. Damit können dann Phänomene wie das obige erklärt werden. Das Gehirn meistert diese Leistung mit sog. Spiegelneuronen. Die von ihnen unterstützten Lernprozesse können laut Artikel in drei Kategorien unterteilt werden:

  1. Zeitnahe Wirkung

    Zum einen können sie sofort oder wenigstens bald wirken. Dann, wenn wir eine einfache neue Tätigkeit lernen wollen, was über Zuschauen, Mitmachen, Nachmachen am leichtesten geht

  2. Wirkung über längeren Zeitraum

    Hier finden wir sowohl den Sechsjährigen wieder, der seit zwei Jahren allen Radfahrern sehnsüchtig hinterherschaut, weil er so gerne selbst fahren möchte. Er legt einen Großteil der Spiegelneuronen für Radfahren an, noch bevor er das erste Rad geschenkt bekommt.

  3. Wirkung durch einen Anlass / Auslöser

    Drittens schließlich lernen wir mit Spiegelneuronen manche Dinge quasi auf Vorrat. Unser Gehirn speichert die Szene für die Zukunft. Im einen Fall speichert es also die entscheidenden Vorgänge zu einem Lebensabschnitt, im anderen können die Vorgänge an einen bestimmten Umstand gekoppelt sein, wie “Chefsessel besetzen”, und dann setzt die Zeitbombe Spiegelneurone gewisse Verhaltensweisen frei – gleich ob man dreißig oder fünfundfünfzig Jahre alt ist

Es gibt also eine Art Prägung oder Lernen, das irgendwann ausgelöst werden kann. Dann verhalten wir uns unbewusst gemäß eines Schemas, das wir einmal gelernt haben. Erkennt man diese Situationen, wenn sie eintreten oder aktiviert man dieses Wissen bewusst? Nein, denn, so die Autorin:

Das Interessante ist, dass der Betroffene das überhaupt nicht mitbekommt. Seine Selbsteinschätzung hat sich durch diesen Vorgang nicht geändert

Der Rebell bemerkt also gar nicht, dass er sich so verhält wie die Leute, gegen die er früher rebelliert hat.

Ein packender Artikel mit spannenden Informationen. Es ist der siebte (?) Artikel aus der entsprechenden FAZ-Reihe, die in loser Folge Artikel rund ums Thema Gehirn und Lernen bringt. Man freut sich förmlich auf den nächsten Artikel zum Thema. Es bleibt zu hoffen, dass die FAZ die Reihe als Buch herausgibt – und evtl. mit ein paar Listen weiterführender Literatur und weiteren Artikeln anreichert.

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3 Kommentare zu “Birkenbihl, “Der Tanz der Phantome””

  1. Christian

    Der Artikel ist nun auch frei verfügbar:
    http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~EE878E20D05984938B81BF5AA2F3F3469~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  2. Christian

    Allgemein sind die Artikel der Serien unter http://www.faz.net/hirntraining abrufbar

  3. birkenbihl

    kleiner hinweis am rande: leider ht die FAZ hinter meinem rücken den titel geändert, auf meiner website gibt es eine TEXT-schublade, dort kann man den artikel ebenfalls bekommen und da stelle ich das richtig. leider hat der neue titel mit dem artilel selbst abslut nichts zu tun, im gegensatz zu meinen vorshlägen (1. spaghetti-neuronen im gehirn? oder 2. spiegelneuronen). wer sich für meine arbeit interessiert, sei auf meinen Werk-Blog verwiesen; birkenbihl-schreibt.com. dort gitb es auch kostenlose downloads (zum lesen und hören), wir beginnen diese gerade einzustellen…
    vfb

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