Bongiorni, “Ein Jahr ohne “Made in China”"
In der Karlsruher Buchhandlung Mende bin ich zufällig in der Auslage über Ein Jahr ohne “Made in China”. Eine Familie – ein Boykott – ein Abenteuer (Partnerlink) von Sara Bongiorni gestolpert. Im Jahr von Olympia in China und als China-Interessierter fand ich die Idee des Buches interessant. Gleich vorweg: das Buch war etwas enttäuschend.
Es fängt prima an: am Weihnachtsabend ist die Protagonistin geschockt von der Tatsache, dass so viele Waren in China produziert werden und versucht daraufhin für ein Jahr einen Boykott mit ihrer eigenen Familie zu organisieren. Der Rest des Buches dreht sich immer wieder darum, wie sie irgendwelche Dinge des täglichen Bedarfs oder Konsums nur unter enormem Aufwand in nicht-chinesischer Ausführung auftreiben kann. Dabei werden auch die Reaktionen von Mann Kevin und der Kinder erzählt, sowie Kommentare von Eltern, Verkäufern, Freunden und Bekannten zum Besten gegeben.
Spätestens in der Hälfte des Buches wird es langweilig, weil wieder das nächste Produkt gesucht wird und wieder eine Odysee beginnt. Aufschlussreich, aber langweilig. Daneben ist das Buch stark USA-zentriert geschrieben.
Die Zähigkeit der Handlung ergibt sich wohl auch aus der Motivation des Boykotts: es geht ums Prinzip, es ohne “Made in China” zu schaffen – nur um zu zeigen, wie wichtig China geworden ist und dass die USA an Einfluss verlieren. Kein (oder kaum ein) Wort zu Menschenrechten in China oder zur Umweltverschmutzung, die wir implizit durch den Konsum chinesischer Produkte mitverursachen. Abends sitzt man vorm Fernseher und denkt sich “welche eine Umweltverschmutzung, warum kommen die nicht zu Verstand”, “die armen Menschen”, “da muss man doch was tun” ; am nächsten Tag werden dann neben chinesischem Spielzeug chinesische Zwiebeln oder Kleinkram gekauft ohne den Bezug zum Abend vorher herzustellen. Dieser Zusammenhang geht dem Buch völlig ab und der Boykott um des Boykotts / Prinzips willen wird schnell langweilig und nichtssagend.
Etwas mehr Idealismus als Boykottgrund hätte der Motivation der Familie als auch der Lesbarkeit gutgetan. Also: kaufen sie die ersten hundert Seiten, das reicht.
ISBN: 978-352750350-6 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de
