Das Geschäftsmodell des Web 2.0: Aufmerksamkeit

Telepolis ist ein Ableger von heise.de und ist mindestens so alt wie der bekannte Newsticker. Heute habe ich im Archiv von Telepolis gestöbert und bin über die folgenden drei interessanten Artikel gestolpert:

Das Web 2.0 ist nicht reich an Geschäftsmodellen: entweder, man verdient über Werbung, oder man lässt sich aufkaufen. Damit ist die Bandbreite der Geschäftsmodelle erschöpft. Die Suche nach einem Web 2.0 Geschäftsmodell, das nicht auf klassische Monetarisierung abzielt, gleicht der Suche nach dem heiligen Gral. Umso mehr fragt man sich wieso immer wieder ein paar unbedarfte Studenten Datenbank Front Ends aufbauen können, die Milliarden “wert” sind (MySpace, Facebook, etc).
Natürlich ist einer der Gründe die Reichweite (Nutzerzahlen) und damit das Werbepotenzial, aber nach dem Lesen der Artikel oben ist klar, was der eigentliche Grund ist: die Aufmerksamkeitsökonomie.

Die anbrechende Aufmerksamkeitsökonomie unterscheidet sich tiefgreifend von jeder früheren Ökonomie. Sie funktioniert ohne jede Form des Geldes und ohne Markt oder von etwas, das diesem gleicht. Sie setzt eine völlig andere Lebensweise als die auf Routinen begründete industrielle Existenz mit ihren Dichotomien zwischen Arbeitsstätte und Heim, Arbeit und Spiel und Produktion und Konsum voraus. Was jetzt zählt, ist die Suche nach sowie das Erhalten und Schenken von Aufmerksamkeit.

Das Modell der Aufmerksamkeitsökonomie lässt sich als Erklärung für viele Phänomene des Web 2.0 heranziehen:

  • Blogs – damit kann jeder die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen versuchen. Und die wenigen Stars der Szene ziehen besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. Mit minimalem Aufwand und ortsungebunden kann jeder zu einer wichtigen Stimme werden und Aufmerksamkeit an sich binden
  • Der “Long Tail” – bestimmte Themen erwidern “Aufmerksamkeitsbegehren” von Benutzern nur gering. Das ist die Chance, sich in diesem Long Tail zu positionieren und die Aufmerksamkeit für ein bestimmtes Inselthema zu besetzen. Das bisschen Aufmerksamkeit, dass diese Themen dann bekommen, kann nun erwidert werden.
  • Soziale Netzwerke – man ist wer, wenn man viele Verknüpfungen hat. Man ist wer, wenn man viel Aufmerksamkeit schenkt und welche bekommt
  • Google – tolle Suchmaschine (viel Werbeerlöse), aber das ist nicht alles. Google erzeugt Aufmerksamkeit mit seinen Experimenten wie etwa Google Earth/Maps
  • Twitter – wichtig ist, wer viele Follower hat = wichtig ist, wem viel Aufmerksamkeit geschenkt wird
  • User Generated Content – auch hier kann jeder einzelne versuchen, die Aufmerksamkeit auf seinen “generated content” zu ziehen und selbst wichtig zu werden. Wo sonst ist das so einfach möglich wie im Web 2.0?

Man kann die Liste wohl noch fortsetzen. Interessant bleibt die Frage, wie der Schritt von der Aufmerksamkeit zur Monetarisierung gerlingt oder etwas praktischer: wie kann man damit Geld verdienen? Denn Aufmerksamkeit kann man nicht essen.

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