Sonntagsidee: Twitter basierter Indikator für Infektionskrankheiten

Auf Google Maps Mania wurde ich diese Woche auf Google Flu Trends aufmerksam. Mittlerweile ist die Meldung auch auf vielen Newsseiten im Web gelandet. Die österreichische Zeitung Der Standard beschreibt sehr schön, um was es geht:

Die Entwickler haben herausgefunden, dass spezielle Suchbegriffe wie etwa “Flu Symptoms” jedes Jahr während der Grippesaison ansteigen. Diese Suchanfragen wurden mit den Daten des US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) verglichen. Demnach besteht eine hohe Korrelation zwischen der Häufigkeit der Anfragen und der Zahl der Patienten mit Grippe-Symptomen. Daraus lasse sich schätzen, wie viele Personen tatsächlich an einer Grippe oder Erkältung erkrankt sind. [...] Laut Google dauert es bei herkömmlichen Gesundheitsüberwachungssystemen etwa ein bis zwei Wochen um Daten zu sammeln und zu veröffentlichen. Die Suchanfragen bei Google werden hingegen automatisch gezählt und werden jeden Tag aktualisiert [...] Die Google Flu Trends könnten sich zu einem frühzeitigen Warnsystem für Influenza-Ausbrüche entwickeln

Das ist ein Beispiel dafür, wie man die Google Daten positiv einsetzen kann, entgegen aller Befürchtungen der Datenschützer. Doch nun zur Idee: warum kann man dieses Frühwarnsystem nicht systematisieren? Hier ein paar Stichworte zur Idee:

  • jeder kann eine Krankheit, die er hat, twittern und mit einem Hashtag versehen, etwa #flu
  • Achtung Datenschutz: die Leute geben damit Preis, wie oft sie krank sind und an was sie erkranken. Es muss jeder wissen, ob er sowas preisgeben möchte.
  • Aus den “Location”s der User kann man dann in Kombination mit den Hastags die Häufigkeit, Verteilung und Ausbreitung von Krankheiten visualisieren
  • es könnte auch eine Seite geben, in der man anonym in seinen Standort und seine Krankheit eingeben kann; diese Seite sammelt dann aus dieser und anderen Quellen wie Twitter alle Infos zu “Krankmeldunen” und aggregiert sie.
  • Krankmeldungen könnten auch aus Krankenhäusern und von Ärzten gemeldet werden, selbstverständlich auch anonym
  • die Seite, die das alles sammelt, kann Statistiken zu Krankheiten erstellen: Häufigkeit, geografische Verteilung, zeitliche Verteilung, Ausbreitung, etc.
  • man könnte auch Blogeinträge über Technorati und ähnliche Seiten scannen und daraus was ableiten
  • Hilfsorganisationen könnten die Seite in Katastrophengebieten und anderswo nutzen, um Krankheiten zu melden und so an trägen Großorganisationen vorbei schneller zu informieren. Damit wäre die Kommunikation schneller und die Reaktion ggf. angemessener
  • Die Seite könnte man auch für Tierkrankheiten nutzen (Stichwort: Vogelgrippe)
  • Die Seite muss natürlich eine API haben, die geografisch basiert die Informationen zur Verfügung stellt. Es sind Mashups mit Reiseportalen / Impfzentren / etc. vorstellbar
  • Komplexe Statistiken und Auswertungen sind kostenpflichtig und refinanzieren die Seite. Oder eine Stiftung / Konsortium kümmert sich um die Finanzierung. Bedingung: jeder User-Generated-Content ist auch direkt wieder komplett kostenlos verfügbar.
  • alle Daten wären in Echtzeit abrufbar
  • der Grenzwert der notwendigen Teilnehmer für eine solche Seite müsste ermittelt werden. Wann sind die Daten halbwegs verlässlich? Wie groß ist die Mindestmenge an Teilnehmern, um eine repräsentative Aussage für ein Gebiet treffen zu können?
  • wie beugt man Missbrauch und absichtlich destruktiver Nutzung vor?
  • für weiteres Brainstorming bin ich in den Kommentaren dankbar

Die Idee ist natürlich beliebig erweiterbar, etwa indem man andere Tags auswertet. Robert Basic setzt das Verfahren mit Tags ein, um Linktipps zu “empfangen”.

Lizenz für diese Idee: Wer diese Idee umsetzen möchte, kann dies tun, sollte aber meinen Namen als Ideengeber nennen.

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Ein Kommentar zu “Sonntagsidee: Twitter basierter Indikator für Infektionskrankheiten”

  1. Christian

    s. dazu auch

    FluTweets.com – Tweet Your Flue – http://www.killerstartups.com/Social-Networking/flutweets-com-tweet-your-flue

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