Trifft die Finanzkrise auch die Aufmerksamkeitsökonomie?
Die Finanzkrise trifft neben den Banken mittlerweile auch die übrige Wirtschaft. Es gibt nun auch einige Indikatoren, dass sie gleichsam die Aufmerksamkeitsökonomie betrifft. Obwohl gemeinhin der starke Unterschied der Aufmerksamkeitsökonomie von der klassischen Ökonomie betont wird, spielt die Monetarisierung der Aufmerksamkeit für die “Stars”, die die Aufmerksamkeit genießen, eine große Rolle; platt gesagt: Aufmerksamkeit kann man nicht essen. Diese “Verbindung” der nicht monetären Aufmerksamkeitsökonomie in die normale, monetäre Wirtschaft ist ein wichtiger Faktor. Im Internet wird Aufmerksamkeit in der Regel über Werbung monetarisiert. Aber genau dieses Verfahren ist nun in Gefahr.
golem.de berichtet in Massensterben deutscher Start-ups befürchtet:
Besonders hart trifft es Firmen, die auf Werbeeinnahmen setzen. Bei Unternehmen, die auf bezahlte Mitgliedschaften setzen, gibt es in der Mehrheit keine Existenzsorgen
Hier wird also den Unternehmen die Basis entzogen, die nur auf die Aufmerksamkeit setzen, denn diese ist a) sehr volatil und b) kann das Mittel der Werbung schnell entzogen werden.
Auch Seedfinance berichtet heute in Finanzmarktkrise erreicht Web 2.0, dass Facebook-Aktien nicht mehr das Interesse der Facebook-Mitarbeiter wecken. Warum? Facebook ist ein typisches Beispiel für einen “Star” im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie und verkörpert neben dem ersten Typus der Monetarisierung (Werbung) auch den zweiten Typus (Aufkaufen lassen). Microsoft hat seinerzeit sehr viel Geld für einen kleinen Anteil gezahlt – da war es attraktiv auf eine teure Übernahme und damit steigende Aktienkurse zu setzen. Im Zuge der Finanzkrise wird auch das Geld bei Firmen wie Microsoft knapper werden; damit fallen die Chancen für eine Übernahme und damit fällt auch die Wahrscheinlichkeit steigender Kurse, folglich sind Aktienprogramme nicht mehr so attraktiv.
Ins gleiche Horn stößt Marcel Tilmann von B!GRÜNDET: “Die jetzige Krise wird bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle wieder in Frage stellen”. Warum? Typus zwei der Monetarisierung (Aufkaufen lassen) gerät in Gefahr:
Sicher waren die letzten Jahre von einem Hype im Internet-/Mobile-Umfeld geprägt, die zu beachtlichen Unternehmensbewertungen geführt haben. Das hat viele Personen zum Gründen animiert. Die jetzige Krise wird bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle wieder in Frage stellen. Das wird die deutsche Gründerszene erheblich beeinflussen.
Basic Thinking berichtet heute in Ironie der Webgeschichte, dass hohe Aufmerksamkeit nicht automatisch in Geld transformiert werden kann – und das auch unabhängig von der Finanzkrise.: 17 Mio Kunden sollen die großen sozialen Netzwerke für Privatkunden in Deutschland haben (StudiVZ, SchülerVZ, MeinVZ, Wer-kennt-wen), verdienen aber praktisch kaum Geld mit diesem Potential an Kunden.
Es gibt also eine direkte Auswirkung der klassischen Wirtschaftskrise auf die Aufmerksamkeitsökonomie. Ganz entkoppeln lassen sich die beiden nicht. Die Theorie der schnell wandernden Aufmerksamkeit behält ihre Gültigkeit, aber die Monetarisierung gerät mit der Finanzkrise ebenfalls ins Stocken. Hohe Aufmerksamkeit garantiert kein Überleben im klassischen Kapitalismus.

am 9. Dezember 2008 um 14:10 Uhr.
Was vielleicht auch ganz interessant dazu ist:
http://www.heise.de/newsticker/Facebook-verschiebt-Aktien-Verkaufsplan-fuer-Mitarbeiter–/meldung/119997