Dawkins, “Der Gotteswahn”
Wenn man im Glauben erzogen wurde, muss man erst einmal durchatmen, wenn man das Buch Der Gotteswahn (Partnerlink) von Richard Dawkins gelesen hat. Dieses Buch will Sie bekehren! Und zwar zum Atheismus. Dawkins erläutert auf mehr als 500 Seiten, warum es Gott mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gibt, warum die Bibel Unsinn ist und warum eine religiöse Erziehung von Kindern Missbrauch ist – und Kathedralenbau Zeitverschwendung. Sein Ton ist schneidend, fast aggressiv. Er hält sich nicht für einen Fundamentalisten, sondern für einen “leidenschaftlichen” Menschen – und seine Leidenschaft grenzt an Aggressivität. Da ihm das Christentum am nächsten ist, arbeitet er sich durch dessen Infrastruktur und zerlegt sie.
Das Buch geht wirklich auf jedes Detail ein, an dem ein rational denkender und gleichzeitig gläubiger Mensch jemals Zweifel hatte. Alle Widersprüche, Ungereimtheiten und Extreme der Bibel und des Glaubens werden unter die Lupe genommen und zur Absurdität erklärt. In fast jedem der Kritikpunkte kann man Dawkins zustimmen, wobei er nicht den oder das Glauben an sich kritisiert, sondern die Auswüchse der Religionen. Das ist alles in Ordnung und auch legitim. Das Buch ist ausgesprochen lesenswert, wenn man auf der Suche nach einer ausführlichen Sammlung von Kritikpunkten der Religion im Allgemeinen und des Christentum im Speziellen ist. Es regt zum Nachdenken und Überdenken von Gewohntem an und erweitert den Horizont. Auch wenn es einige Längen hat, lässt es sich doch recht flüssig lesen. Ich denke, die Essenz hätte man in 300 Seiten untergebracht. Der Rest besteht aus langatmigem Herleiten von Thesen, Selbstdarstellung von Dawkins und Präsentation seines Wissens.
Dass solch ein Buch nicht ausgewogen sein kann, versteht sich von selbst. Trotzdem würde man sich an manchen Stellen wenigstens Ansätze von Ausgewogenheit wünschen. Beispiel: Das Übel in der Welt. Für Richard Dawkins (Wikipedia) wird ein Großteil der Übel auf Erden dadurch getilgt, indem man die Religionen tilgt. Die Argumentation, dass es dann keine Burka und keine Religionskriege gäbe, ist nachvollziehbar. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es dann nicht andere Auswüchse von Bösartigkeit gäbe. Religion aus Hauptquell allen Übels? Ich weiß nicht, …. Diese Reduktion allen Übels auf die Religion ist sehr penetrant im Buch. Beispiel 2: Die positiven Aspekte des Glaubens (und auch der Religion als Glaube an Gott) werden im Anhang als Fußnote behandelt. Dawkins ignoriert bei seiner hochrationalen Argumentation, dass sich nicht alle Menschen ihr Leben rein rational erschließen. Er blendet die positiven psychosomatischen Effekte eines Gottesglaubens mehr oder weniger aus. Obwohl er dem Glauben einen Trosteffekt zuspricht, verlangt er streng rationales Verhalten.
Das Beruhigende für den Glaubenden: die Nichtexistenz Gottes ist nicht beweisbar, das gesteht Dawkins ein. Das erinnert mich irgendwie an die Gödelschen Unvollständigkeitssätze, über die auch ein Extremrationalist wie Dawkins nicht hinwegkann. Das ist auch der letzte Strohhalm, den Dawkins dem Gläubigen nach der Lektüre noch lässt.
In diesem Buch ist für jeden etwas dabei: für den Gläubigen eine Herausforderung und Chance zur Reflektion. Für den Atheisten eine “Atheistenbibel” zur atheistischen Gemeinschaftsbildung. Das Buch polarisiert und erweitert den Horizont.
ISBN: 978-354837232-7 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de

am 3. Februar 2009 um 14:04 Uhr.
So will ich ergänzend festhalten: Gibt es keinen Gott als relevante Konsequenz außerhalb der menschlichen Existenz, so kann in aller Logik auch behauptet werden, dass es für den Einzelnen nicht verpflichend erforderlich ist, sich Regeln menschlicher Moral/Ethik zu unterwerfen. Ich kann hier die Menschenrechte und menschliche Würde/Respekt auch beiseite lassen. Wer/Was sollte mich daran hindern? Welcher Konsequenzen könnte es geben? Warum sollte ich ein behindertes Kind nicht abtreiben und mir ein neues machen lassen? Es kann mir doch egal sein, ob ich mich um meine Mitmenschen kümmere oder nicht?
So kann alles Regelwerk menschlichen Miteinanders einfach auf das Alltagsleben herunter gebrochen werden und damit wir halt nicht allzu blutig miteinander umgehen und die Wirtschaft möglichst wenig Schaden nimmt. Aber wenn wir das nicht tun und uns womöglich um den Klimawandel einen Dreck scheren – was soll’s? So bin ich mir – rational und in einer Welt ohne Gott/Transzendenz/Spiritualität – doch ein zvilisierter Wilder. Ich kann machen, was ich will – auch töten und zerstören. So ist doch alles in dieser Welt nur eine Zweckgemeinschaft mit dem Ziel, dass halt alle Stärkeren so nett zu den anderen sind, damit die auch was im Leben machen dürfen.
Und der Rest der Menschheit? All die Debilen, Behinderten, Unfähigen, unheilbar Kranken, tödlich Verunglückten? … die haben dann halt einfach Pech gehabt?
Warum dann Mörder nicht hinrichten? Weg ist weg.
Und so eine – rational und auf den irdischen Boden festgezurrte Welt – ist schöner als die erfüllte spirituelle universelle Ganzheit in der Geborgenheit einer spirituellen Kraft, die Unrecht wieder ausgleicht?
lG.
BeniClau
am 15. Februar 2009 um 17:05 Uhr.
BeniClau”s Kommentar zu Dawkins ” Gotteswahn” kann nicht unwidersprochen bleiben. Moral und Gott – natürlich der christliche
Gott – gehören nach seiner Meinung zwingend zusammen. Ohne Gott ist für ihn keine Moral denkbar. Woher nimmt der Mann nur diese Gewiss-
heit? Moral ist sehr wohl ohne die Illusion Gott, ohne die Androhung von
Verdammnis, Hölle oder anderer Schrecklicher Szenarien möglich. Sie ist
das zwingende Ergebnis jahrtausender Erfahrungen und Überlegungen, eines evolutionären Prozesses eben. Dieser Prozess ist natürlich noch nicht
zu Ende mit der Konsequenz, daß sich auch der Inhalt der Moral ändern
wird. Das wird Beni Clau nicht gefallen. Er spricht von der sprituellen Kraft,
gemeint ist Gott, die Unrecht wieder ausgleicht. Wo war nur diese Kraft als
in Deutschland 6 Millionen Juden in Gaskammern verbrannt wurden, wo war dieser Gott als in Amstetten eine Bestien seine eigene Tochter im eigenen Haus einsperrte , jahrelang vergewaltigte und mehrere Kinder zeugte. Die Geschichte könnte man endlos fortführen und sie, BeniClau, glauben noch immer an den allmächtigen Gott. Sie sind einer Illusion aufgesessen,einem Selbstbetrug. Wenn es ihn – Gott – wirklich gäbe, würde er nicht dieses unendliche Leid über viele Jahrtausend dulden. Wenn sie wirklich an der Wahrheit interessiert sind , dann lesen sie R.Dawkins. Ich gestatte mir noch einige Daten anzufügen, die für
die Wissenschaft heute unbestritten sind.
Alter unseres Weltalls 14.000.000.000 Jahre
Alter unserer Erde 4.000.000.000
Beginn des Lebens 3.000.000.000
Dinosaurier auf der Erde 245.000.000
Ende der Dinosaurier 65.000.000
Menschwerdung 3.000.000
Homo Sapiens(unsere Vorfahren) 1.000.000
Christliche Mythologie 5.000
Geburt Jesus 2.000
Erklären Sie mir einmal, was ihr Gott mit all den Menschen gemacht hat ,die von der christlichen Mythologie gar keine Ahnung gehabt haben.
Brennen sie alle in der Hölle ? Am Schluß, die Frage aller Fragen : Wenn
es Gott gibt ,wie ist er entstanden ? Natürlich gibt es in ihrer Phantasie
auch noch den Teufel. Sie müssen auch erklären, wie er entstanden ist.
Ich gebe zu , es ist schmerzhaft, nicht an ein Leben im Jenseits zu glauben und den Sinn im Diesseits zu suchen
Klaus Brückner.