Hely, Chandrasekaran, “Die Wette”

In Eine neue Erfahrung hatte ich bereits erwähnt, dass ich eine Vorabversion des Buches Die Wette (Partnerlink) von Steve Hely und Vali Chandrasekaran bekommen hatte. Es gab keine Auflagen oder Bedingungen, die an das Angebot geknüpft waren, aber natürlich möchte ich auch über das Buch schreiben, jetzt, nachdem ich es gelesen habe. Nachdem ich zuerst ein auf DIN A4 gedrucktes Rezensionsexemplar erreicht hatte, ist mittlerweile auch ein richtiges Buch angekommen. Ich hatte noch nie so ein Rezensionsexemplar in der Hand – im Prinzip enthält es die Seiten des eigentlichen Buches mittig auf DIN A4 Seiten, so dass ein großer Rand für Anmerkungen und Korrekturen bleibt. Handlich ist das nicht und auch recht schwer.
Aber nun zum Inhalt von Die Wette (Partnerlink) (Original The Ridiculous Race): es handelt sich um Reiseberichte aus der Zeit zwischen März und Juli 2007. Steve und Vali schließen eine Wette ab, wer es als erster von Los Angelos aus einmal um die Welt und zurück schafft; einzige Bedingung: keine Flugzeuge. Das Preisgeld ist eine Flasche sehr teurer Scotch. Um die Reise zu finanzieren, wollen die beiden über ihre Erlebnisse ein Buch schreiben und richten danach auch ihre Reiseziele und -routen aus. Steve startet nach Westen, Vali nach Osten. Die Kapitel des Buches haben eine angenehme Länge und variieren zwischen Vali und Steve, so dass man beide Erzählstränge parallel verfolgen kann. Hier die Routen, die die beiden nehmen

Vali: Los Angeles, Nogales, Goyales, Mzatlan, Morelia, Birmingham, Atlanta, Rio de Janeiro, London, Paris, Berlin, Warschau, Moskau, Kairo, Gizeh, Kario, Amman, Jericho, Dubai, Phnom Penh, Sien Reap, Shanghai

Steve: Los Angeles, Long Beach, Oakland, Korea, Shanghai, Quingdao, Peking, Erlian, Ulan-Bator, Moskau, St. Petersburg, Helsinki, Stockholm, Berlin, München, Bozen, Verona, Rom, Paris, London, New York, Ontario

Die beiden erleben auf ihren Reisen allerhand obskure Zwischenfälle und manchmal bringen sie sich auch gezielt in Situationen, die solche Zwischenfälle provozieren. Zwischen Reisebekanntschaften, Techtelmechteln, Zollkontrollen und Gelagen haben auch kurze Ausflüge in Geschichtliches und Politisches Platz. Die beiden Amerikaner bekommen durch das Reisen durchaus einen anderen Blick auf die Welt und für beide trifft wohl der Spruch “Reisen bildet” zu. Sieger ist am Schluss Steve – hauptsächlich deshalb weil Vali geschmummelt hat und große Teile der Strecke geflogen ist!

Insgesamt ist mir Steve sympathischer und das nicht nur, weil Vali die Regel bricht und primär mit dem Flugzeug unterwegs ist. Steve hat einen lustigeren Schreibstil und wenn ich laut lachen musste, dann bei seinen Passagen. Vali hat dafür die exotischeren Reiseziele gewählt. Reiseberichte dieser Art gehören normalerweise nicht zu meiner favorisierten Lektüre und so habe ich bei diesem Buch zwar viel gelacht, fand es aber im Großen und Ganzen doch auch länglich. Für Globetrotter und Reisefreunde ist es sicher ein Leckerbissen.
Erstaunlich fand ich die Tatsache, dass mir all die Erlebnisse gar nicht so extrem fremd vorkamen. Die Orte hat man mindestens mal gehört, die Beschreibung der Leute und die Vorurteile auch. Die lokale politische Situation ist in einer globalen Welt nicht mehr eine lokale Information, sondern für interessierte Zeitgenossen überall verfügbar. So las ich das Buch der Komik wegen, war aber ob der Reisebeschreibungen nicht sonderlich beeindruckt. Auch wenn Reiseberichte wie Hape Kerkelings “Ich bin dann mal weg” durchaus Erfolg haben können, ist ihr Reiz doch verblasst verglichen zu den Zeiten, als man noch nichts aus fernen Gegenden wusste, kein Internet hatte, keine Flugzeuge, kein Google Earth, kurz: als die globalisierte Welt noch Gegenstand von Zukunftsträumereien und Abenteuern war.

ISBN: 978-386648102-2 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de

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