Maxeiner, Miersch, “Biokost & Ökokult”

Haben Sie schon einmal ein Sachbuch gelesen, bei dem Sie sich anschließend besser fühlten als vorher? Falls nicht, sollten Sie Biokost & Ökokult (Partnerlink) – “Welches Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt” von Dirk Maxeiner und Michael Miersch lesen. Die beiden Erfolgsautoren informieren mit diesem Buch nicht nur, sondern klären auch auf. Worum geht es? Biokost ist in aller Munde und die Bioläden wachsen in Deutschland überdurchschnittlich. Viele Menschen assoziieren mit Bioware Adjektive wie “gesund”, “schmackhaft”, “sauber”, “natürlich”, “ökologisch sinnvoll”, “gut für die Menschheit”, “modern”. Dieses Buch versucht das Gegenteil zu beweisen oder diese Pauschalurteile mindestens kritisch zu hinterfragen.
Welche der folgenden Aussagen würden Sie spontan bejahen (Mehrfachnennungen möglich)?

  • Biokost ist gesünder als konventionelles Essen
  • Biolandwirtschaft ist besser für die Umwelt
  • Biokost schmeckt besserals konventionelles Essen

All diese grünen Paradigmen werden im Buch widerlegt oder stark eingeschränkt. Dinge, die man ungefragt für wahr hielt, werden plötzlich unwahr. Einige der Kapitel sind Interviews mit Fachleuten zu betsimmten Themen im Kontext “Bio”. Es ist verblüffend, mit welcher Überzeugung, sie den Glauben an die sicher geglaubten Merkmale der Biokost zerlegen. An vielen Stellen ist man sich sicher, dass man in Zukunft beim Einkaufen wesentlich entspannter bei der Auswahl von Essen sein wird – und bei manchen Produktgruppen vielleicht sogar völlig auf Bio verzichtet

Besonders überzeugt hat mich das Kapitel “Die Angstkampagnen”. In diesem Kapitel werden die Methoden und überzeichnenden Studien von Lobbyisten erläutert. Es wird deutlich, dass wir uns als Verbraucher sehr schnell in eine Panik treiben lassen. Dies machen die Autoren u.a. auch an der “Chemophobie” der Bevölkerung fest: alles, was sich nach Chemie anhört, wird ohne Nachfragen als schlecht und schädlich angesehen. Es wird eine interessantes Experiment beschrieben, in dem Passanten nach der Schädlichkeit von Dihydrogenmonoxid befragt wurden; und fast alle haben den Stoff ohne Nachfrage als schlecht dargestellt. Dabei ist Dihydrogenmonoxid nichts anderes als H2O, also Wasser.

Ein kleiner Wermutstropfen des Buches ist das fehlende Quellenverzeichniss für all die zitierten Studien und Angaben. Das hätte der Glaubwürdigkeit des Buches sicher gut getan. Außerdem hätte ein interesierter Leser gleich einen reichen Fundus an weiterer Literatur zum Thema gehabt. So muss man sich mühsam im Internet auf die Suche begeben.

Völlig unerwähnt bleibt das Hauptorgan der biologisch-ökologisch orientierten Menschen in Deutschland: die Zeitschrift Ökotest (oder habe ich sie überlesen?). Die Zeitschrift ist natürlich nicht nur mit der Qualität von Essen befasst, aber viele Punkte im Buch sind sicher auch auf andere Produkte anwendbar. So kann ich mir gut vorstellen, dass die Belastung durch Schadstoffe, die zu schlechten Bewertungen von Produkten bei Ökotest führt, in Wirklichkeit gar nicht so gesundheitsschädlich ist. Vielleicht werden sich die Autoren in einem Folgebuch dem Thema widmen und auch dort mit einigen Vorurteilen aufräumen.

Die Zukunft wird wohl nicht dem Etikett “Bio” gehören, sondern eher regionalen Produkten. Wenn sich die Erkenntnisse aus dem Buch als richtig erweisen, wird das auch den Verbraucher früher oder später überzeugen – zumal ob der höheren Preise für Biokost. Was dann wirklich sinnvoll ist, ist der Kauf regionaler Produkte. Nicht unbedingt weil sie “Bio” sind, sondern “öko”; will sagen: weil sie eine besser Ökobilanz haben – aber auch das ist nicht pauschal richtig und muss hinterfragt bleiben.

ISBN: 978-349205100-2 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de

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5 Kommentare zu “Maxeiner, Miersch, “Biokost & Ökokult””

  1. Horst

    Ich muss leider widersprechen. Das Konzept von Maxeiner und Miersch ist es, gegen gängige Meinungen zu schreiben und so Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Fakten werden dabei völlig verdreht und einseitig dargestellt. Niemand, der sich ernsthaft damit befasst, nimmt das auch nur im Ansatz ernst.

    Übrigens: Ökotest hat nichts mit Öko oder Bio zu tun. Bei Tests bekommen Bio-Produkte sogar meist Punktabzug, weil sie nicht künstlich gefärbt oder ähnliches sind.

  2. David

    Richtig, regionale Produkte haben nicht unbedingt eine positive Ökobilanz nur weil die Produkte von “nah” anstatt von “fern” kommen. Was dabei oft übersehen wird ist die Tatsache, dass bei Produkten die von anderen Kontinenten angeliefert werden, sogenannte Skaleneffekte auftreten.

    Regionale Produkte werden meist mit dem LKW in viele verschiedene Läden transportiert. Diese Waren, welche meist kleinere Menge sind, werden in die vielen örtlichen Läden transportiert. Nicht regionale Produkte werden u.a. per Schiff angeliefert und das in riesigen Mengen. D.h. man spart sich viele kleine Fahrten.
    Laut Berechnungen von Wissenschaftler schneiden diese Transporte die per Schiff angeliefert werden und per LKW in die Läden kommen, pro Wareneinheit meist besser ab und haben somit i.d.R. eine bessere Ökobilanz.

    Das soll aber kein Pauschalurteil sein und den wohl wichtigsten Aspekt stellen die Konsumenten dar, denn sie haben durch ihre Kaufentscheidungen die Macht zu bestimmen wo letztendlich die Unternehmen ihr Kapital investieren. Den Kaufen ist Wählen von heute!

    Lösung: Selbst anbauen ;-) Da weiß man was man hat.

    Zum Weiterlesen:
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,560751,00.html
    http://www.ugb.de/e_n_1_142749_n_n_n_n_n_n_n.html

  3. Christian

    danke für eure Kommentare.

    @Horst: hast du Belege dafür, dass Fakten verdreht werden?

    @David: Regionale Produkte,die regional verkauft werden, sollten eine gute Ökobilanz haben – nicht generell, aber als Daumenregel. Skaleneffekte treten bei Schiffslieferungen v.a. dann auf, wenn etwa das Endprodukt transportiert wird und nicht nur ein Zwischenprodukt. Aber vom Schiff zu den regionalen Läden muss auch transportiert werden. Dann ist der Effekt weg bzw. wesentlich geringer.

  4. Horst

    Ich kenne das Buch nicht, sondern nur die Arbeitsweise. Miersch ist ja uach im TV öfter zu sehen und er schreibt ja auch für die Welt. Ich bin hier mal darauf eingegangen: http://www.leben-ohne-diaet.de/blog/bio-bashing-bei-der-welt-01250.html

    In dem Artikel wird beispielsweise behauptet, dass mit Öko-Landbau der Flächenverbrauch steigen würde und es daher nicht möglich ist, alle Menschen zu ernähren. So ziemlich alle Studien zu dem Thema besagen aber das Gegenteil. Hungerprobleme können nur mit einer Kleinteiligen extensiven Landwirtschaft gelöst werden, die dem Bio-Anbau recht nahe kommt.

    Er verwendet auch immer gerne einen enttäuschten Bio-Landwirt, der es nicht geschafft hat auf Bio umzustellen und führt diesen so vor, als ob es die Regel wäre. Meist sind das solche, die von den Bio-Verbänden rausgeworfen wurden. Frag halt mal jemanden nach der Meinung über seine Ex, wenn die Sache im Streit auseinander ging.

    Ebenso gibt es zahlreiche Belege, dass Bio tatsächlich gesünder ist. Dabei reicht der Verzicht auf Zusatzstoffe allein schon aus. Niemand, der etwas von Qualität bei Lebensmitteln versteht, wird konventionelle Qualität vorziehen. Das hat schon seinen Grund. Es macht z.B. keinen Sinn anzuprangern, dass Limo auch in Bio Qualität ein Problem ist, weil ja schließlich auch Zucker drin ist. Bei konventioneller Limo werden die Früchte nicht gewaschen, was dazu führt, dass dort ein verheerender Pestizidcoktail zusätzlich drin ist.

    Ich kann dem interessierten Leser dazu auch mein Blog empfehlen, bzw. mein Buch, was auf der Seite im Volltext zu lesen ist (unter CC-Lizenz). Dort wird auch beschrieben, warum ich mich überhaupt so intensiv mit dem Thema befasse.
    http://www.leben-ohne-diaet.de

  5. Christian

    Hallo Horst, danke für die Infos!

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