eBook Studie: Marktpotenzial in Deutschland
Bei boersenblatt.net habe ich von der Studie “eBooks und eReader: Marktpotenziale in Deutschland” (PDF, 43 Seiten) von Kirchner + Robrecht gelesen.
Die Studie gibt interessante Einblicke in den deutschen Buchmarkt. So gibt es etwa eine Tabelle der Verlage mit der Anzahl der eBooks, die diese Verlage aktuell anbieten.
In den USA wurden 2007 nur 0,25 % “des Gesamtumsatzes des US-amerikanischen Buchhandels(25 Mrd. US$) über eBooks erzielt” (2002 0,03 %). Der Marktanteil ist also noch sehr gering, hat aber enorme Zuwachsraten. Das liegt wohl unter anderem daran, dass die eReader in den letzten Jahren immer besser wurden. In Deutschland kaufen die eBook Leser primär “Fachbücher/wissenschaftliche Bücher” und “Sachbücher”. Kaum jemand kauft “Lernhilfen”, “Reiseführer” und “Kinder-und Jugendbücher”. Gerade letztere sind ja häufig mit bunten Illustrationen versehen, die die Bücher erst ausmachen und die heutige eReader mit ihren Schwarz/Weiß Displays nicht vernünftig darstellen können.
Die Einschätzung über Vor- und Nachteile von konventionellen Büchern und eBooks ist aufschlussreich: die Nachteile der eReader / eBooks sind nur Nachteile in einer Zwischenzeit, denn es handelt sich ausschließlich um technische oder preisliche Nachteile. Wenn man die Vorteile der klassischen Bücher als Nachteile der eBooks wertet, gibt es nicht einholbare Vorteile wie die häufig genannte Haptik. In der Übersicht der aktuell am Markt verfügbaren Reader kann man was lernen: die Auswahl ist wesentlich größer als man denkt. Jeder Reader wird mit einem kurzen Kommentar vorgestellt. Der Sony-Reader, der auch von Thalia vertrieben wird, schneidet auf der Preis-Format-Matrix mit am besten ab (viele Formate und vergleichsweise günstig).
Ein großes Kapitel widmet sich dem Marktpotenzial: “Mithin ergibt sich ein Marktpotenzial für eReader in Höhe von rd. 19 Mio. Käufern”. Dabei werden die Leser in die Typen “Buchresistente”, “Gelegenheitsleser”, “Buchkaufende Nichtleser”, “Wenignutzer”, “Regalsteller”, “Ausleihende Leseratten”, “Durchschnittsnutzer” und “Kauffreudige Leseratten” unterteilt. Nur die letzten drei Typen werden als potenzielle eReader Käufer angesehen.
Anhand von Diffusionskurven existierender Produkte wird versucht, die Marktenwicklung vorzusagen. Man glaubt, dass sich eReader so schnell wie MP3-Player durchsetzen werden. “In diesem Fall hätten im Jahr 2015 ca. 3 Mio. Deutsche einen eReader erworben”. Man geht im Schnitt davon aus, dass der eReader Besitzer 11 eBücher im Jahr erwirbt. Zum Substitutionseffekt eBook vs. klassischem Buch heißt es nur “Fraglich ist, inwiefern eReader-Besitzer ihren Buch-konsum auf eBooks verlagern oder diese zusätzlich zu gedruckten Büchern erwerben werden”.
Die Studie geht nicht weiter auf weitere Effekte ein, etwa den Fillialhandel betreffend. Was wenn die Vielleser nicht mehr in der Laden gehen, sondern online kaufen? Was passiert mit den kleinen Buchläden, was mit den Großen? Wieviele Jobs gehen verloren und wieviele werden neu geschaffen? Was fehlt den heutigen eReadern, um das Wachstum zu beschleunigen? Und was ist mit Zeitungen und Magazinen: wird man die auch primär auf dem eReader lesen? Gibt es da neue Marktpotenziale und Chancen?

am 11. April 2009 um 15:18 Uhr.
Danke für die gelungene Studienzusammenfassung. Eine nette Bildstrecke zum Thema eBook was-wer-warum gibts bei der SZ: http://www.sueddeutsche.de/computer/710/464311/bilder/
Persönlich glaube ich ja immer noch nicht an die eReader von heute: sowohl das Gerät als auch die Bücher wären mir viel zu teuer. Allerdings glaube ich, dass es für Zeitungen interessant werden könnte – wer morgens in der vollgestopften U-Bahn zur Arbeit fährt, wäre über platzsparenden Lesestoff sicher froh. In Japan und Korea liest man daher auch Handyromane – speziell fürs Handy geschriebene Texte – ob sich das allerdings hierzulande durchsetzen kann? Aber vielleicht machts das iPhone ja möglich…