Entwickler als die Treiber des Internet – Twitter als Beispiel
Steve Rubel bringt in seinem Artikel Twitter’s Monetization Strategy: Developers, Developers, Developers ein Thema auf den Punkt, das im großen Spiel Internet oftmals etwas untergeht, nämlich die Rolle der Entwickler. Rubel macht das Thema an Twitter fest. Twitter lebt davon, dass die Entwicklergemeinde Twitter liebt und ein gigantisches Ökosystem aufgebaut hat, wie man auch regelmäßig bei selfreferential (@selfreferential) lesen kann. Twitter ist für ihn längst zu einer Art Betriebssystem geworden:
What Twitter has done, however, that very few companies have achieved, is build an amazing platform that developers love. That ecosystem, if they invest in it, changes the game. Suddenly, Twitter is no longer a web site. Rather, it is becoming the web’s first major social operating system.
Zum “Social Operating System” passt die Idee der “Social Domains”, deren Wichtigkeit ich vor kurzem erläutert habe. Konsequenterweise fordert Rubel “add premium services for developers”! Twitter soll also seine Monetarisierung dadurch erreichen, dass es Premiumdienste für die Entwickler und nicht für die Endkunden anbietet. Die Entwickler sind dann in der Lage mit ihren Werken Geld zu machen und ein eigenes Business aufzubauen.
Twitter ist in diesem Fall wie Microsoft: es kümmert sich um die Entwickler. Und dies ist auch ein Modell, das an andere Stelle schon sehr erfolgreich war: Google, speziell Google Maps. Analog funktioniert es mit den Applikationen auf Facebook und im AppStore von Apple, denn was wäre das iPhone ohne die Zusatzapplikationen? Ohne Frage sind auch die Amazon Web Services ein Klassiker, bei dem eine API einem Unternehmen Geld bringt, indem es nicht den Verbraucher, sondern den Entwickler adressiert.
Technikafine Unternehmen haben die Entwickler als Markt längst erkannt, klassische Unternehmen brauchen da noch etwas. Einer der Vorreiter ist die New York Times mit ihrer API – sie zeigt wie eine Zeitung (!) über Entwickler eine völlig neue Art der Monetarisierung und Traffic Generierung betreibt.
Alle Unternehmen, die mit einer Monetarisierungsstrategie über Entwickler erfolgreich sind, haben ein wichtiges Merkmal: die Nutzung der API ist kostenlos! Natürlich funktioniert das häufig in Form eines Freemium Modells: es gibt einen einfachen kostenlosen Zugang und einen kostenpflichtigen Premium Zugang. Chris Anderson, Autor von “The Long Tail”, sagt sogar voraus, dass freie bzw. kostenlose Produkte irgendwann Bestandteil jedes Unternehmens sein werden. Rubel schlägt ein Freemium Modell auch für Twitter vor: API kostenlos aber Premiumdienste für Entwickler.
Was kann das für Unternehmen bedeuten, die noch keine Free-Komponente im Angebot haben und mit ihren Produkten die Entwicklergemeinde adressieren? Sie müssen eine kostenlose Variante anbieten, um die Gemeinde zu bedienen und dabei zu sein. Entwickler werden sich zuerst die einfach zugänglichen Dienste anschauen, die gut dokumentiert und funktional umfangreich sind. Jede Behinderung auf dem problemlosen Weg zum “Spielen” mit dem Dienst oder dem Produkt macht das Produkt unattraktiv. Da muss man schon ein sehr starkes Alleinstellungsmerkmal haben, damit der Entwickler zurückkommt. Die Monetarisierung erfolgt dann über zusätzliche Dienste oder Dienstleistungen oder über Spezialfunktionen, die dem kostenpflichtigen Premiumbereich vorenthalten sind.Für neue Unternehmen, speziell im Web heißt es, dass die API gleich in die Planung des AUftritts einbezogen werden muss. Vorzugsweise als eine der ersten Komponenten integriert werden muss.

am 21. April 2009 um 21:36 Uhr.
s. dazu auch
Märkte sind keine Nullsummenspiele
http://netzwertig.com/2009/04/21/freeconomics-maerkte-sind-keine-nullsummenspiele/