Seneca, “Glück und Schicksal”
Stoiker kennen die Texte in Glück und Schicksal – Philosophische Betrachtungen (Partnerlink) sicher schon: das Buch ist in der Reclam Bibliothek erschienen und enthält die Texte “Von der Kürze des Lebens”, “Von der Ruhe des Gemüts”, “Vom glücklichen Leben”, “Von der Vorsehung” und “Von der Muße”, die Seneca im ersten Jahrhundert nach Christus geschrieben hat. Ich hatte die Texte vor mehr als zehn Jahren schon einmal gelesen, aber sie sind immer wieder ein Genuss.
Seneca versucht stoisch durchs Leben zu gehen. Das höchste Gut ist ein tugendhaftes Leben, das dem Sinn dient und nicht dem Laster. Schicksalsfällen ist mit Gleichmut zu begegnen – was sich nicht ändern lässt, sollte man akzeptieren und das Beste daraus machen. Die Weisheiten, die der römische Philosoph und Staatsmann seinen Brieflesern mit auf den Weg gibt, haben in den letzten 2000 Jahren nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Ein paar Kostproben:
Daher muss man bedenken, dass der Kummer, nichts zu haben, weit geringer ist als der, seinen Besitz zu verlieren
oder
Deswegen muss man sich zuerst darüber klar werden, was man eigentlich anstrebt, sodann muss man sehen, auf welchem Weg man das Ziel am schnellsten erreicht. [...] Solange wir freilich planlos umherschweifen, ohne einem Führer zu folgen, sondern dem lärmenden Geschrei und dem Stimmengewirr, das uns bald dahin, bald dorthin ziehen will, dann zerrinnt unser Leben unter lauter Irrtümern, und zwar im Nu, auch wenn wir uns Tag und Nacht um die rechte Einsicht bemühen.
“Vom glücklichen Leben” erscheint mir persönlich als der ergiebigste Teil des Buches. Seneca kann man immer wieder lesen und jedes Mal entdeckt man eine neue Facette in seinem Denken, die man selbst durchdenken und adaptieren möchte. Wem die stoische Denkweise sympathisch ist, für den ist Seneca ein Muss.
Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise, in der der Einzelne machtlos dem großen Chaos gegenübersteht, erscheinen Senecas Texte aktueller denn je. Die Finanzkrise ist die Zeit, sich zu bewähren. In den Augen Senecas ist es sogar eine Pflicht sich zu bewähren, ja die Krise ist sogar gar keine Krise, sondern eine große Möglichkeit, mit dem eigenen Wesen einen Schritt voran zu tun und neue Chancen zu nutzen. Jemandem, der seinen Arbeitsplatz verliert oder herbe Gehaltskürzungen in Kauf nehmen muss, wird die stoische Haltung abstoßend erscheinen. Aber vielleicht ist gerade in dieser Situation die Lektüre des Philosophen empfehlenswert: sie hilft das Leben leicher zu nehmen und möglicherweise gibt sie manchem auch Trost in seiner Lage, so schlecht sie auch sein möge. Glück und Schicksal (Partnerlink) ist das philosophische Buch zur Krise!
Auch Seneca war nicht perfekt und nicht jeder war seinen Thesen gegenüber aufgeschlossen. Bei seinem Schüler Nero ist Seneca bitter gescheitert und Nero hat dem Römischen Reich seinerzeit alles andere als stoische Tugend beschwert. Man muss kein pefekter Stoiker sein, man muss noch nicht einmal ideal sein, um Ideale zu predigen, denn wie schreibt Seneca:
“Die Philosophen leisten das nicht, was sie sagen”. Doch leisten sie viel damit, dass sie es aussprechen, dass sie von der Sittlichkeit ein Ideal aufstellen.
Genau das tut dieses Buch.
ISBN: 978-315010689-1 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de
