Das Ende der analogen Zeitungen
In letzter Zeit lese ich häufiger vom Ende der analogen Zeitungen. Hier ein paar Links der letzten Tage.
readwriteweb.com berichtet in Outlook for Printed Newspapers: Bleak, dass in den USA die Auflage der 395 registrierten Zeitungen in den letzten sechs Monaten in Summe um 7 % gefallen ist, wobei manche bis zu 20 % an Auflage verloren haben. Einige kleinere Zeitungen konnten an Auflage gewinnen, was aber primär darauf zurückzuführen ist, dass sie kostenlos im Web angeboten wurden – die bezahlte Auflage ging ebenfalls zurück.
In Journalism 2.0: Don’t Throw Out the Baby stellt der Autor die Kernthese auf, dass wir zwar keine traditionellen Zeitungen und Fernsehnachrichten mehr brauchen, sehr wohl aber den Journalismus. Er glaubt, dass die Blogosphäre in der Lage ist, die traditionellen Medien zu ersetzen und dass die Blogger genauso die Watergate Affäre aufgedeckt hätten wie Journalisten. Jetzt müssen die Blogger nur noch den journalistischen Ehrenkodex lernen. Unglücklicherweise kann der Autor aber nicht sagen, wie die Geschäftsmodelle aussehen werden, mit denen diese neue Generation von Journalisten sich über Wasser halten soll; immerhin gesteht er ein: “Monetizing Quality Online Is Harder”. Er unterscheidet streng zwischen Geschäftskunden, die “news-driven content” wollen und den Endkunden (Consumer), die “Entertainment” wollen:
I repeat: business people pay for news-driven content. [...] Consumers don’t pay for news-driven content. Consumers pay for entertainment. Reading the news in the form of a newspaper was entertainment, a relaxing thing to do at the end of the day. People will still pay for entertainment. Just don’t confuse that with the news business.
Diese These würde ich so nicht stehen lassen. Da wird meiner persönlichen Meinung nach der Begriff “Entertainment” etwas weit gedehnt – oder lesen wir alle nur noch Boulevard? Am Ende bleibt ihm nur die Hoffnung, dass noch Geschäftsmodelle gefunden werden, die Qualitätsjournalismus auch online zu einem erstrebenswerten Berufsbild machen.
Den Artikel Newspaper Company Wants to Gain Back Readers By Printing Customized Papers habe ich wie die beiden vorherigen auf readwriteweb.com gefunden. Er berichtet von einer Firma namens FeedJournal, bei der man sich den Inhalt seiner Zeitung selbst zusammenstellen kann.
In Geschäftsmodelle für Online-Journalismus untersucht Markus Hofmann verschiedene Möglichkeiten, mit Qualitätsjournalismus im Internet Geld zu verdienen. Er hat dazu eine sehr schöne Recherche vieler Onlinequellen vorgelegt. Die Analyse der Geschäftsmodelle ist ernüchternd, denn es gibt noch keine passenden. Immerhin ist der Autor ein Optimist, wenn er schreibt:
Deshalb glaube ich an Qualitätsjournalismus im Internet jenseits der Paid-Content-Paywall. Ich glaube an Qualitäts-Journalismus jenseits nutzloser Superbanner. Ich glaube an Qualitätsjournalismus jenseits staatlicher Beihilfen und GEZ-Journalismus. Es wird auch im Internet einen Markt geben für Qualitätsjournalismus, der echten Nutzen stiftet.
Dass die Geschichte mit den Geschäftsmodellen schwierig ist, hat auch heise.de in Printmedien suchen ein Geschäftsmodell fürs Internet entdeckt. Dort wird über
Medientreffpunkt Mitteldeutschland “´09 – Verändern und Verantworten” berichtet, eine Veranstaltung “der Entscheider der Medienbranche in Mitteldeutschland”. Ebenfalls heise.de berichtet, dass Rupert Murdoch der Meinung ist, dass es nun bald so weit ist: Murdoch: Das baldige Ende kostenloser News-Inhalte. Er will Gebühren für die Onlineausgaben seiner großen Zeitungen wie die Times und die Sun verlangen. Könnte das ein einfacher Startschuss für das Thema Paid-Content werden?
Ein besonders flammendes Plädoyer für den Qualitätsjournalismus hält Miriam Meckel in der FAZ: Qualitätsjournalismus – In der Grotte der Erinnerung.
Es ist an der Zeit, eine ernsthafte Debatte darüber zu führen, dass Qualitätsjournalismus zu den Institutionen einer freien und demokratischen Gesellschaft gehört – so wie freie Wahlen, freie Gerichtsbarkeit und die Trennung der Staatsfunktionen. Wir brauchen ihn – ob gedruckt, gesendet oder im Internet. Deshalb muss er finanzierbar sein, als Hauptangelegenheit, nicht als Nebentätigkeit
Sie möchte, dass sich der Qualitätsjournalismus am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zieht und nicht den Kopf in den Sand steckt.
Der Journalismus muss sein Überleben auch selbst in die Hand nehmen und für sich argumentieren. Er muss seine Kunden überzeugen, dass journalistische Qualität einen sozialen Wert hat, der wiederum eines materiellen Gegenwerts bedarf. Und dafür muss eine Gesellschaft bezahlen.
Alles in allem ist man sich einig, dass Zeitungen (und Journalismus) ohne eine mindestens ergänzende Onlinevariante in Zukunft keine Chance haben werden. Offen bleibt die Frage des Geschäftsmodells. Ob es in Zukunft noch gedruckte Zeitungen geben wird, interessiert die Onlinewelt nicht so richtig, jedenfalls ist das mein persönlicher Eindruck. Ich möchte die gedruckte Zeitung nicht missen.
Angeblich wollen amazon und einige andere auch (?) einen E-Book Reader auf den Markt bringen, mit dem man auch Zeitungen lesen kann. Wie das gehen soll, ist mir noch nicht ganz klar, denn dann benötigt man schon ein sehr großes Display und damit geht der Transportvorteil verloren. Aber ich würde so ein Gerät sicher ausprobieren.
Vielleicht werden analoge Zeitungen ja irgendwann eine Renaissance erleben. Vielleicht wird online mit Zeitungen plötzlich so viel Geld verdient, dass die gedruckten Ausgaben zum Spottpreis oder gar umsonst zu haben sind? Dann wäre den Freunden des analogen Offlinelesens geholfen und der Online Community auch.

am 12. Mai 2009 um 11:21 Uhr.
s. dazu auch Times Wire: New York Times Experiments With Real Time News, FriendFeed Style
http://www.readwriteweb.com/archives/times_wire_real_time_news.php