Madame Bovary im Internet

Der Roman Madame Bovary von Gustave Flaubert gehört zu den bekannten Klassikern. In der FAZ vom Samstag (09.05.) gab es einen interessanten Artikel zu einem Projekt, das das komplette 4500-seitige Manuskript online verfügbar macht. Das Projekt wurde an der Universität von Flauberts Heimtstadt umgesetzt, der Université de Rouen. Das Einscannen der Texte wäre an sich noch nicht spektakulär, denn dazu muss man nur einen guten Scanner und viel Geduld haben. Was aber wirklich phänomenal ist: das komplette Manuskript wurde transkribiert; das bedeutet, dass alle Texte im Manuskript inkl. der gestrichenen Texte analog lesbar digitalisiert wurden.
Folgerichtig werden die Seiten auch auf http://www.bovary.fr präsentiert: wenn man sich durch die Seiten blättert, erscheint links das Original, das etwa wie folgt aussieht:
Madame Bovary
rechts daneben gibt es dann die transkribierte Version, die auch die Durchstreichungen sichtbar macht:
Madame Bovary
Auf diese Weise kann man in einzigartiger Weise Einblick in die Arbeitsweise des Autors gewinnen – in seine Wortwahl, seinen Kampf um Formulierungen und die Verfeinerungen, die notwendigen waren, um den Roman in seiner bekannten Form zu schaffen.
Mich hat besonders die schöne und lesbare Schrift Flauberts beeindruckt. In anderen alten Manuskripten sieht man oft ein unleserliches Gekrakel, aber hier kann man mit einigen Französischkenntnissen durchaus einiges lesen. Es ist beeindruckend in dem riesigen Textpool zu stöbern. Lohnt sich für alle Freunde alter Dokumente und für Flaubert-Fans allemal.

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