Lesen für Einjährige

Vor ein paar Tagen waren wir mit der Kleinen bei der U6 Vorsorgeuntersuchung für Babys. Nach dem Termin hat uns der Arzt eine kleine Jutetasche mit einigem Material zum Thema “Lesen” in die Hand gedrückt: das sei eine Aktion der Stiftung Lesen und werde an alle Eltern verteilt. Die Aktion heißt offiziell Lesestart – die Lese-Initiative für Deutschland und läuft unter der Schirmherrschaft des Bundespräsdienten, von dem auch ein entsprechendes Anschreiben beiliegt.
Dazu gibt es eine Broschüre auf Deutsch, Russisch und Türkisch, die den Eltern nahebringen soll, wie wichtig das Vorlesen schon im Kleinkindalter ist (ab einem Jahr). Die Idee dabei: “Bilderbücher gemeinsam betrachten und darüber sprechen – das ist Lesen von Anfang an”. Dazu wird auf die Wichtigkeit des Lesens als Kulturtechnik aufmerksam gemacht, die v.a. in Zeiten des Internets immer wichtiger wird, wo der primäre Kommunikationsweg mit Lesen und Schreiben beschritten wird. Damit die Eltern sich selbst kontrollieren können und motiviert werden, ist eine Art Tagebuch beigelegt, in dem man die wichtigsten Entwicklungsschritte des Babys dokumentieren kann.
Neben den Infobroschüren, eines Posters und Aufklebern (die allerdings für Einjährige natürlich völlig unbrauchbar sind), gibt es ein vollständiges Kinderbuch von Ravensburger dazu, das ich bei amazon nicht finden konnte: “Wer versteckt sich auf dem Bauernhof”. Das Buch ist prima, es gibt viele Bilder und einige Elemente zum Ausklappen. Allerdings ist das Buch maximal was zum Vorzeigen für die Kleinen – anders als bei Büchern für Einjährige, würden sie in diesem Buch die kleinen Klappen gleich herausreißen.
Bei uns in Karlsruhe war auch noch ein Ratgeber der Stadtbibliothek Karlsruhe beigelegt. Er enthält auf der Rückseite einen Gutschein für einen kostenlosen Leseausweis, damit man selbst und die Kleinen gleich angefüttert werden.

Ich finde die Aktion sehr gut und hoffe, dass auch nicht leseafine Eltern zum Vorlesen animiert werden. Es ist allerdings zweifelhaft, ob nicht leseafine Eltern die langen Infobroschüren auch aufmerksam lesen oder gleich als Altpapiert entsorgen und sich nur über das kostenlose Buch freuen. Im Brief des Herrn Bundespräsidenten hätte ich mir zumindest einen Satz über die Wichtigkeit der Kulturtechnik “Lesen” gewünscht.

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