Münch, “Globale Eliten, lokale Autoritäten”

Spontan gekauft und ein Volltreffer: Globale Eliten, lokale Autoritäten – Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co (Partnerlink) von Richard Münch, der an der Uni Bamberg einen Lehrstuhl für Soziologie innehat.
Im Buch geht es um die Problematik, dass globale Organisationen (globale Eliten) Maßstäbe für Bildung und Forschung setzen, die ungeachtet lokaler Gegebenheiten umgesetzt werden (von lokalen Autoritäten). Dabei wird wenig bis gar nichts hinterfragt und dennoch werden negative Ergebnisse in populistischem Ausmaß diskutiert. Es geht auch darum, dass Bildung nur noch zur Schaffung von Humankapital dient und Unternehmensberatungen alle Lebensbereiche ausschließlich nach öknomischen Denkmodellen ausrichten. Beides hat fatale Folgen für alle Beteiligten: Schüler, Studenten, Lehrer, Professoren, Eltern. Münch (Wikipedia) macht seine Analyse an zwei Beispiel fest:

  1. PISA, Bologna & Co.: Bildung unter dem Regime der Humankapital Produktion – die OECD definiert mit PISA globale Standards zur Messung von Leistungen, deren Inhalt ausschließlich darauf abzielt, die Eignung der Schüler hinsichtlich maximaler Flexibilität für den Arbeitsmarkt zu prüfen – die Schüler sind Humankapital und der Wert dieses Kapitals wird mit PISA gemessen. Ein Beispiel von vielen: Das führt dazu dass statt komplexer literarischer Texte eher Sachtexte gelesen werden, weil das für das Wirtschaftsleben pragmatischer ist. Damit geht aber einiges an klassischer Bildung verloren. Den Schülern kommt das unglückerlicherweise entgegen, da die sowieso nicht so gerne komplizierte und “angestaubte” Klassiker lesen und interpretieren. Der globale PISA Standard nutzt zudem Denkmodelle für die Tests, die der deutschen Bildungstradition fundamental widersprechen. Trotz der von Münch dargelegten Probleme bei der Nutzung von PISA, werden diese Denkmodelle von lokalen (deutschen) Politikern angenommen. Man versucht um jeden Preis dem Test gerecht zu werden statt der Bildung.
  2. McKinsey, BCG & Co.: Wissenschaft unter dem Regime des akademischen Kapitalismus – hier geht es darum, dass Universitäten und Forschungseinrichtungen nur noch nach rein öknomischen Gesichtspunkten ausgerichtet werden. Münch zeigt, dass globale Eliteunis – also primär US-amerikanische – auch nicht viel besser sind als deutsche, dass sie aber das Geld haben, die Top-Leute anzuwerben. Dadurch gewinnen sie an Prestige und Aufmerksamkeit, die wiederum monetarisiert werden. Das so gewonnene Geld hilft das Prozedere aufrecht zu erhalten. Nun versucht man diese Denkweise auch in Deutschland zu etablieren und Münch zeigt deutlich, welche negativen Konsquenzen das haben wird.

Das Thema war mir bisher nicht so präsent, aber ich habe das Buch verschlungen. Vor allem der erste Teil zu PISA lässt einen mehr als einmal den Kopf schütteln. Das Buch ist trotz seiner eher akademischen Sprache sehr gut lesbar und ein Muss für jeden, der an dieser gesellschaftlichen Diskussion teilnehmen möchte.
Leider bleibt der Autor die Alternativen schuldig, die wir brauchen, um unsere Schulen und Universitäten zukunftsfähig zu machen. Dazu gehört sicher mehr als die Eliteunis und sicher mehr als ein nationales Zentralabitur. Aber das war auch nicht Thema des Buches.
Meine Empfehlung: unbedingt lesen! Anschließend begegnet man vielen Informationen mit einem anderen Blick.

ISBN: 978-351812560-1 (Partnerlink), © Buchcover: amazon.de

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